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Die Unvollkommenheiten der Einsicht

Es gibt eine Liste von zehn Fallstricken, genannt die zehn Upakkilesas. Dies sind subtile Formen von Verunreinigungen, die für den Meditierenden, welcher gute Fortschritte macht, sehr trügerisch sind. Wie du sehen wirst dachte sogar ein sehr erfahrener Mönch während sechzig Jahren, wegen einer Täuschung, hervorgerufen durch eine dieser Unvollkommenheiten der Einsicht, er sei vollkommen erleuchtet.

Aber was sind diese zehn Unvollkommenheiten? Es sind dies: (1) Wahrnehmung von Licht, (2) vertiefte Erkenntnis, (3) Verzückung, (4) innere Ruhe, (5) Glückseligkeit, (6) Entschlossenheit, (7) tiefes Vertrauen, (8) Achtsamkeit, (9) Gleichmut und (10) Anhaftung.

Hier ist eine Geschichte zur Erläuterung. Der Ältere Dhammadinna war Lehrer vieler Mönche. Eines Tages, als er in seinem Zimmer saß, fragte er sich: "Hat mein Lehrer, der Ältere Mahā-Nāga, Nibbāna erreicht?" Er sah, dass Mahā-Nāga noch immer ein gewöhnlicher Mensch war, und wusste, wenn er Mahā-Nāga nicht aufsuchen würde, Mahā-Nāga als gewöhnlicher Menschen sterben würde. Er erhob sich mit übernatürlicher Kraft in die Luft und ließ sich in der Nähe des Älteren Mahā-Nāga nieder. Er erwies ihm Respekt und setzte sich ihm zur Seite hin. Auf die Frage "Warum bist du so unerwartet gekommen, Freund Dhammadinna?", antwortete er: "Ich bin gekommen, um eine Frage zu stellen, ehrwürdiger Herr." Mahā-Nāga antwortete: "Frage Freund; wenn ich kann, werde ich antworten" und Dhammadinna stellte tausend Fragen.

Der Ältere Mahā-Nāga beantwortete jede Frage ohne zu zögern. Dhammadinna sagte zu Mahā-Nāga: "Ihr Wissen ist sehr tief, ehrwürdiger Herr; wann haben Sie diesen hohen Zustand erreicht?" Mahā-Nāga antwortete: "Vor sechzig Jahren, Freund." Daraufhin bat Dhammadinna seinen Lehrer, mit seinen übernatürlichen Kräften, erlangt durch die Übung von Samādhi, einen Elefanten zu erschaffen. Der Ältere Mahā-Nāga erschuf einen vollkommen weißen Elefanten. Dann sagte Dhammadinna: "Nun, verehrter Herr, lasst diesen Elefanten mit ausgebreiteten Ohren und ausgestrecktem Schwanz geradewegs auf Euch zukommen, sein Rüssel soll in seinem Mund stecken, während er auf entsetzliche Weise trompetet." Der Ältere Mahā-Nāga tat all dies. Als er sich des furchterregenden Anblicks des heranstürmenden Elefanten gewahr wurde, sprang Mahā-Nāga auf und versuchte zu fliehen. Dann streckte der Ältere Dhammadinna seine Hand aus, erwischte ihn an seinem Gewand und sprach: "Ehrwürdiger Herr, kennt jemand der Nibbāna erreicht hat Furcht?"

Da erkannte der Ältere Mahā-Nāga, dass er immer noch ein gewöhnlicher Mensch war. Er kniete vor Dhammadinna nieder und sprach: "Hilf mir, Freund, Dhammadinna." "Ehrwürdiger Herr", sagte der Ältere Dhammadinna, "ich werde Euch helfen; deshalb bin ich gekommen; sorgt Euch nicht." Dann lehrte er ihn ein Meditationsobjekt. Der Ältere Mahā-Nāga nahm sich das Meditationsobjekt vor, begab sich auf den Fußweg und beim dritten Schritt erreichte er Arahatschaft.

(Aus: Der Pfad der Reinheit, Kapitel XX, §§ 105–30)

Die zehn Unvollkommenheiten sind heilsame geistige Zustände wie Wissen, Gleichmut, Achtsamkeit und so weiter. Es sind jedoch Unvollkommenheiten, da der Meditierende sie genießt und der Täuschung unterliegt, er habe die Erwachung erlangt. Er verwechselt das Mittel mit dem Ziel. Er hört auf, seine Erfahrungen als unbeständig (anicca), unbefriedigend (dukkha) und nicht-selbst (anattā) zu betrachten, sitzt einfach nur da, genießt diese Zustände und hält sie irrtümlich für Nibbāna.